Bischof Dodilo

Eine Sage aus Brandenburg

In dem Gewölbe über dem rechten Arm des Kreuzes, das die Domkirche zu Brandenburg bildet, befindet sich eine runde Oeffnung, durch welche der Bischof Dodilo im Jahr 980 hinabgestürzt worden sein soll. Er wurde nämlich von den Wenden, die sich empört hatten, verfolgt, flüchtete sich in den Dom und wurde hier durch das Bellen seines kleinen Hündchens, das ihm gefolgt, verrathen, worauf ihn die Wenden fingen und auf jene jammervolle Weise zu Tode brachten. Zum Glück kam auch hier der Gutsherr hinzu und bannte alles, indem er rückwärts anfing zu lesen.

Die wahre Bibel, sagt man dort, liegt in Leipzig, die wird nie losgemacht. Nur Napoleon I. hat sie sich losmachen lassen, aber ist damit auch nicht weiter gegangen als bis vor den Altar und hat dort darin gelesen. Da hat er denn gesehen, wie alles kommen würde in Rußland, welche Generale ihm untreu werden würden usw. Nichtsdestoweniger hat er den Zug nach Rußland freilich doch unternommen.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.