Der Kobold der nicht weichen wollte

Eine Sage aus Blankensee, Landkreis Teltow-Fläming

Ein Bauer in der Nähe von Blankensee kaufte einmal einen neuen Hof und merkte gar bald, daß es in dem Hause nicht recht richtig sei und ein Kobold sein Wesen darin treibe. Er versuchte alle möglichen Mittel, konnte ihn aber nicht los werden; da rieth ihm endlich ein kluger Mann, er solle mit dem Kobold in den Wald fahren, ihn da auf einen Baum locken, und sobald er oben sei, schnell davon fahren.

Das that er denn auch, und, als er ins Holz kam, machte er sich an den ersten besten Stamm, nahm die Axt und that, als wolle er ihn umhauen; alsbald war auch der Kobold oben in der höchsten Spitze, und schaukelte sich im Wipfel hin und her, damit er den Baum leichter zum Umsturz brächte. Kaum ersah das aber der Bauer, so sprang er auf seinen Wagen und jagte so eilig als möglich davon, aber er war nur erst wenige Schritte fort, so hört ers plötzlich hinter sich rufen: »Watt jechste (jagst du) denn so, de lööwst (glaubst) woll de jrööne kümmt?« und siehe da! der Kobold saß wieder hinten auf dem Wagen.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.