Der Miggelberg bei Köpernick

Eine Sage aus Berlin-Köpenick

Der Miggelsee in der Mittelmark liegt vor dem Städtchen Köpenick zwei Meilen oberwärts Berlin und ist von der Miggelbude bis Ransdorf eine halbe Meile ohngefähr lang. Die Spree fließt mitten durch, so daß man sie gleich wie einen breiten Fahrweg von dem andern Wasser unterscheiden kann. Von diesem See hat auch die daran gelegene und aus vielen Hügeln von verschiedener und zum Theil gar merkwürdiger Höhe zusammengesetzte bergige Höhe den Namen des Miggelberges, so mit vielen schlanken Eichen und Fichten besetzt ist.

Man ziehet auch von einem gewissen Stein, so daselbst auf einem etwas niedrigen Hügel liegt und 7 Fuß ohngefähr lang und 6 Fuß breit und weißlich von Farbe ist, allerhand Zeitungen von einem darunter verborgenen Schatz, welches zwar keinen Grund hat, dieses aber wohl sein kann, daß einiges Metall darin verborgen, weil er aus vielem Kieß und dergleichen scheint zusammengesetzt zu seyn, die Stücken auch in Vergleich mit andern Steinen gleicher Größe ziemlich schwer sein.

Ingleichen erzählet man, daß sich vor diesem eine ansehnliche Jungfrau daselbst sehen lasse, welche vorgegeben, verwünscht zu sein und um davon befreiet zu sein, verlanget hätte, um die Kirche zu Köpenick herum getragen zu werden, so aber nicht gelingen wollen, nicht viel anders als man in den Geschichten der Melusine von dem König Hermann in Norwegen und seinen Töchtern liest. Endlich wird auch vorgegeben, daß man zu Zeiten ein Getöse von Jagdhörnern und Gebelle von Hunden daselbst gehöret.

Am Fuß des Miggelberges liegt der Teufelssee, den Ursprung des Namens weiß man nicht, ist aber kein Zweifel, daß wie es hier an allerhand Erzählungen von Jagdgespenstern nicht mangelt, eine solche Gespenstergeschichte den Anlaß gegeben. Welche Bewandniß es mit mehren Teufelsseen der Mark Brandenburg haben mag, als mit dem Teufelssee zwischen Kolminchen und Petersdorf, mit dem Teufelssee bei Belitz, dem Teufelssee in der Kunersdorfischen Haide, dem Teufelssee bei Bötzow in der Nähe von Spandau, und dem Teufelssee bei Dobbriskau im Amte Zinna.
Aus: Grässe, Johann Georg Theodor: Sagenbuch des Preußischen Staats 1–2. Glogau: Carl Flemming, 1868/71

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.