Der Teufel zu Spandow

Eine Sage aus Berlin-Spandau

Wenn die Spandower und Pichelsdorfer Fischweiber an den Markttagen mit ihren schmalen Fahrzeugen auf der Spree dahin rudern, so rufen ihnen wohl die Knaben in ihrem Uebermuth zu: »Hule, hule, hule! Watt macht der Deibel in Spandow?« worüber sie gar böse werden können, und dem Spötter, wenn es ihnen möglich ist, ihn zu erreichen, seine Worte damit vergelten, daß sie ihn tüchtig naß machen. Ueber den gleichen Zuruf müssen sich auch die Kiezer aus Köpenick ärgern, und daß sie's eben thun, zeigt, daß sie wohl Grund dazu haben mögen. Diesen kennt man jedoch nicht, indeß hat vielleicht zum Gespött über die Spandower dies den Grund gegeben.

Im Jahre 1595 zeigten sich zu Spandow, Friedeberg und andren Orten gar viele Besessene, weshalb auf Kurfürstlichen Befehl allgemein im Lande Betstunden gehalten wurden. Zu Spandow besonders war die Anzahl derer, welche vom Teufel geplagt wurden, gar groß, und hatten diese es sich wohl selber zuzuschreiben. Denn es war dort ein gemeiner Gebrauch, wenn jemand etwas bestätigen wollen, daß er gesagt, sei's nicht wahr, so solle ihn der Teufel holen, und wenn man einem etwas Uebels gewünschet, man gesprochen, daß ihm ganze Fässer und Scheffel voll Teufel in den Leib fahren möchten.

Darauf sind denn bereits im Jahre 1594 viele Bürger, jung und alt, leiblich besessen und von den Teufeln gequälet worden, welche geschrieen: »Ihr habt uns gerufen, wir haben einmal kommen müssen!« Aber auch früher schon hatte es dem Teufel in Spandow gar wohl gefallen, denn bereits im Jahre 1584 war er vor die Stadt gekommen, und hatte dort als ein reicher Krämer mit großem Kragen feil gestanden und großen Zulauf gehabt, die Käufer aber waren nachher alle besessen worden, bis Buße erfolgt.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.