Die Römerschanze und der Kirchberg bei Potsdam

Eine Sage aus Nedlitz (heute ein Ortsteil von Potsdam)

Etwa eine halbe Meile von Potsdam, der Netlitzer Fähre gegenüber am Krampnitzsee, liegt auf einer Anhöhe, die sehr steil zum Wasser abfällt, nach der Landseite zu aber flacher ist, jedoch hier ehemals durch einen Graben, der jetzt halb verfallen ist, geschützt war, ein Wall, an dem noch die Spuren der Eingänge sichtbar sind. Er führt jetzt allgemein den Namen der Römerschanze, weil die Gelehrten eine Zeit lang behaupteten, er sei Werk der Römer, die bis hierher vorgedrungen; jedoch nennt man ihn in der Volkssprache noch die Rööverschanze, und mag sie ihren Namen wohl von den Räubern, die in alten Zeiten hier eine sichre Zuflucht fanden, tragen. Daher rührt auch wohl der Glaube, daß hier große Schätze in der Erde verborgen seien, der schon manchen veranlaßte, sich vergeblich hier mit Graben abzumühen.

Unweit von dieser sogenannten Römerschanze liegt auf einer Anhöhe zwischen dem weißen und Krampnitzsee ein Nachlaß von altem Mauerwerk von Moos überdeckt, auch hat man dort Messer und anderes Geräthe gefunden, und seit alter Zeit trägt diese Anhöhe den Namen »der Kirchberg«. Es soll nämlich hier, als die christliche Lehre in diesen Landen sich verbreitete, die erste christliche Kirche gestanden haben und später zerstört sein.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.