Die Ruppiner Kobolde

Eine Sage aus Neuruppin, Landkreis Ostprignitz-Ruppin

Als die Stadt Neu-Ruppin am Ende des vorigen Jahrhunderts abbrannte und schon die Kirche in Flammen stand, sah man hoch oben auf dem Thurme einen kleinen rothen Kobold, der bald hier bald da aus den Luken herausschaute, und die unten stehenden Leute, denn der Kirchhof war ganz mit Menschen angefüllt, auslachte. Wie er aber hinaufgekommen, wußte sich niemand zu erklären, denn die Thüren der Kirche und des Thurms waren alle fest verschlossen.

Ein anderer Kobold hält sich am Ufer des Sees auf, und oft hören die Fischer Abends jemanden mit lauter Stimme rufen: »Hol ööwer!« Fahren sie dann nach der andern Seite des Sees hinüber, so ist niemand da und sie erkennen zu spät, daß der Kobold sie gefoppt, dessen lautes Hohngelächter auch alsbald aus dem Dickicht des Rohrs erschallt.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.