Die Schlangenkönigin im See zu Sakrow

Eine Sage aus Sacrow, Landkreis Potsdam

In dem nach dem uralten wendischen Orte Sakrow so genannten Sakrower See befindet sich eine kleine schwarze Schlange, mit einem rothgelben Flecke auf dem Kopfe, oder, wie Andere sagen, mit einer glänzenden goldnen kleinen Krone auf demselben. Dies soll eine Schlangenkönigin sein und wer sie sieht, dem bringt sie Glück.

Sie steckt zuweilen ihren Kopf mit der goldnen Krone aus dem Wasser, meist in der Nähe von Wasserlilien, wer sie da sieht und dabei einen Wunsch ausspricht, dem wird er sogleich erfüllt; es muß aber ein rechter Herzenswunsch sein und der Wunsch muß einem so zu sagen auf den Lippen schweben, denn sie ist eben nie länger sichtbar, wie eine Sternschnuppe fliegt, und das ist freilich nur ein Augenblick.

Dergleichen Wünsche sind viele ausgesprochen und erfüllt worden, namentlich vor einigen 40 Jahren einem gewissen Richter, einem weitberühmten Jäger, Fischer und Vogelsteller. Als der einmal im Sakrower See am Fuße des Fuchsberges angelte, tauchte die Schlange plötzlich aus dem See auf und legte ihren Kopf auf das Blatt einer Wasserlilie. Da rief jener laut über den See, daß er lange leben und Alles fangen wolle, was da schwimmt, fliegt, läuft und kriecht.

Darüber ist die Schlange erschreckt untergetaucht, allein der alte Richter hat von da an nie einen vergeblichen Schuß auf ein Wild gethan oder seine Angelschnur umsonst ausgeworfen; er konnte thun, was er wollte, sich jedem Wetter und jeder Jahreszeit aussetzen, nie ist ihm etwas zugestoßen, und so starb er hochbetagt, ohne je krank gewesen zu sein. Dem Grundherrn des Orts Sakrow soll aber die Schlangenkönigin, die einst eine Prinzessin gewesen ist, von jeher wohlgesinnt gewesen sein und die Kinder, die da geboren, sollen viel Glück, namentlich in der Liebe haben.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.