Die Zaubersäcke zu Cüstrin

Eine Sage aus Küstrin (heute: Kostrzyn nad Odrą in Polen)

Im Jahre 1562 lebten zu Cüstrin mehrere boshafte alte Weiber, welche große Zauberinnen waren. Gegen diese predigte zum öftern Herr Wenzeslaus Kielmann, damaliger Zeit Pfarrer und Superintendent zu Cüstrin. Als dieser nun am 19. Tage des Augustmonats in dem gedachten Jahre gestorben war, und am folgenden Tage des Mittags um 1 Uhr begraben wurde, da entstand ein solches Donnern, Blitzen, Regen und Ungewitter, daß man vermeinte, die ganze Stadt werde zu Grunde gehen. Man bekam gleich Verdacht auf jene alten Zaubersäcke, welche eingezogen wurden und denn auch bekannten, sie hätten das Ungewitter zu Wege gebracht, damit man habe denken sollen, des Pfarrers Seele sei vom Teufel hinweggeführt.
Aus: Temme, Jodocus Deodatus Hubertus: Die Volkssagen der Altmark. Mit e. Anhange von Sagen aus den übrigen Marken und aus dem Magdeburgischen. Berlin: Nicolai, 1839, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.