Die stummen Frösche zu Chorin

Eine Sage aus Chorin, Landkreis Barnim

In dem bei dem Kloster Chorin gelegenen kleinen Mariensee befindet sich zwar eine große Zahl von Fröschen, aber so viele ihrer auch darin sind, so läßt doch keiner irgend jemals sein Gequäck vernehmen. Das kommt, wie einige behaupten, daher, daß, als das ganze Kloster verwünscht worden, auch die Frösche mit verwünscht und zu ewigem Schweigen verdammt wurden.

Andere behaupten, einst, als noch Mönche in dem Kloster wohnten, hätten die Frösche mit gewaltigem Gequäk die Andacht derselben gestört, so daß die frommen Brüder, als es gar kein Ende hätte nehmen wollen, endlich Gott gebeten, jene auf ewig verstummen zu machen, und das sei auch augenblicklich in Erfüllung gegangen. Seit dem Augenblick sind nun die Frösche stumm bis auf den heutigen Tag.

Das Kloster Chorin hat nicht immer an der Stelle gestanden, wo man noch jetzt die schönen Ruinen desselben sieht, sondern es hat ehmals in der Nähe des großen Paarsteinschen Sees auf dem Rosmarinberge gestanden; warum man es aber von dort fortgebracht, weiß man nicht. Als nun das neue Kloster an dem Mariensee gebaut wurde, da haben sieben Baumeister lange lange Jahre daran gearbeitet, bis sie endlich das herrliche Werk vollendet haben; es war aber auch eine gar schwere Arbeit, indem sie auch noch einen weiten unterirdischen Gang nach dem Kloster zu Angermünde, in dem die Choriner Mönche zu den dortigen Nonnen gingen, sowie einen von da nach Greifenberg, bauten.

So hat es denn lange Zeit gestanden in seiner Pracht, bis es endlich mit allen Gebäuden, die darum und daran sind, auf ewige Zeiten verwünscht worden ist. Von da an sind die Unterirdischen darin eingezogen, die kommen bald hier, bald da in ihrer grauen Kleidung und mit dreieckigem Hute zum Vorschein, aber nicht jeder kann sie sehen, sondern nur Sonntagskinder und andre Begabte.
Aus: Märkische Sagen und Märchen nebst einem Anhange von Gebräuchen und Aberglauben. Berlin: Reimer, 1843, e-book-Sammlung zeno.org

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.