Was sich vor der Schlacht von Fehrbellin zugetragen

Eine Sage aus Fehrbellin, Landkreis Ostprignitz-Ruppin

In der Stadt Berlin und Umgegend hat sich am 8. Januar des Jahres 1675 während der Nacht bis an den lichten Morgen eine Reiterei von vielen Regimentern in der Luft sehen lassen, die so augenscheinlich gegen einander stritten, daß man deutlich das Handgemenge erkennen, die Degen klingen hören und das Feuer der gelösten Karabiner und Pistolen deutlich sehen, wenn auch keinen Knall hat hören können.

Dabei wird berichtet, es sei solcher Spuk zuletzt gar bis an die Thorwachten gekommen und dreien Reitern auf den Leib gedrungen, hätte auch dieselben sogar angerührt. Anfangs hat man es nicht glauben wollen, als es aber acht ganzer Tage gedauert und nachmals nicht allein verschiedene Reiter, welche die Wache gehabt, sondern auch ihre Offiziere, die es mit angesehen und bezeugt, gesprochen, hat man nicht mehr an der Sache gezweifelt. Dies hat die Schlacht bei Fehrbellin bedeutet, welche am 18. Juni desselben Jahres geschlagen worden ist.

Als der Kurfürst vor der Schlacht durch ein Dorf ritt, das in der Nacht zuvor von den flüchtigen Bewohnern verlassen worden war, soll er bemerkt haben, wie vor einem der verödeten Häuser ein Kind saß, das die Eltern in der Eile der Flucht vergessen hatten. Der Kurfürst befahl, daß es vor ihn auf das Pferd gehoben werde, und mit diesem Kinde vor sich hat er den Sieg gewonnen.
Aus: Grässe, Johann Georg Theodor: Sagenbuch des Preußischen Staats 1–2. Glogau: Carl Flemming, 1868/71

*Die ursprüngliche Schreibweise und Rechtschreibung wurden beibehalten.