Bad Freienwalde (Oder)

Bad Freienwalde (Oder) ist eine Stadt und ein anerkanntes Moorheilbad im Landkreis Märkisch Oderland und im Hügelland Märkische Schweiz. Freienwalde wurde als Vrienwalde urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1316 erwähnt. Eine Heilquelle verschaffte der Stadt ab dem 18. Jahrhundert regen Zulauf durch Tagesgäste aus Berlin und Erholungssuchende. Seit 1925 lautete der offizielle Name Bad Freienwalde, im Jahr 1994 kam der Beiname Oder hinzu.

Über Bad Freienwalde

In einem Reiseführer aus dem Jahr 1848 heißt es über die Stadt Freienwalde:

"Mit ihren, wenn auch nur wenigen, doch breiten Hauptstraßen, mit ihren durchgängig gut gebauten Häusern, gewährt sie den Anblick einer freundlichen Provinzialstadt und macht einen guten Eindruck auf den Besucher derselben ..."

Schauen wir uns an, welche Sehenswürdigkeiten uns der mehr als 170 Jahre alte Reiseführer vorschlägt und welche es davon heute noch gibt:

  • Kirche St. Nicolai, vermutlich gegen Ende des 13. Jahrhunderts erbaut und seitdem häufig umgebaut sowie erneuert, gehört heute zur Evangelischen Kirchengemeinde Oberbarnim-Nikolai und kann außerhalb der Gottesdienste besichtigt werden
  • Kirche St. Georg, erbaut als Hospitalkirche zwischen 1695 bis 1697 in der Georgenkirchstraße/Ecke Königstraße - heute Nutzung als Konzerthalle
  • Heilquelle, heute Kurfürstenquelle auf dem Gelände der Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde GmbH
  • Landhaus auf dem Gesundbrunnengelände, steht heute unter Denkmalschutz
  • Alexandrinenbad, heute Albert-Schweitzer-Schule in der Wriezener Straße
  • Schloss und Schlossgarten

Freienwalde gehörte rund 250 Jahre der Familie von Uchtenhagen, die die Stadt als markgräfliches Lehen erhalten hatte. Um 1618 (manche schreiben auch 1619) kaufte der Kurfürst Johann Siegesmund den Uchtenhagens die Stadt ab und ließ sie durch einen Amtshauptmann verwalten. Durch den 30jährigen Krieg und eine Pestepidemie kam das Leben der Stadt fast zum Erliegen. Erst mit der Entdeckung einer Heilquelle im Jahr 1683 und dem Fund eisenhaltiger Sande kam sie als Kurstadt und durch ein Alaunwerk zu neuer Blüte.

Bad Freienwalde-Nikolaikirche

Stadtpfarrkirche St. Nicolai

Bad Freienwalde-Königstraße

Ehem. Kirche St. Georg

Kurfürstenquelle

Um 1784 schreibt der Domherr, Genealoge und Historiker Thomas Philipp von der Hagen nach einem Kuraufenthalt in seinem Buch "Beschreibung der Stadt Freyenwalde, des dasigen Gesundbrunnens und Alaun-Werkes":

"Die Stadt hat kein Hauptgewerbe. Sie hat wenig Ackerbau, aber gute Viehzucht und ehemals ansehnliche Fischerei, welche aber, nachdem der Oder-Strom verwallet worden, nur noch geringe ist. Der bei der Stadt liegende Gesundbrunnen und das Alaunwerk schaffen derselben die meiste Nahrung und große Vorteile."

Das Alaunwerk war neben einem Eisenhammer um 1716 errichtet worden. Wie auf der Website der Stadt Bad Freienwalde zu lesen ist, hatte der hiesige Betrieb das Alaun-Monopol in Preußen inne. Das schwefelsaure Doppelsalz wurde vor allem zum Gerben, Beizen und Färben von Leder verwendet. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts ersetzten zunehmend chemisch erzeugte Salze das Alaun. Damit wurde das Ende der Alaunsiedereien eingeläutet. Die Schließung des Freienwalder Alaunwerks datiert auf 1860. Nur ein Straßennahme an der heutigen Bundesstraße B167 zwischen Eberswalde und Bad Freienwalde erinnert heute an das einst für die Stadt so wichtige Gewerbe.

Bald schon tat sich jedoch ein neuer Wirtschaftszweig auf. Das Tonvorkommen in der Gegend führte zur Gründung mehrerer Ziegeleien und einer Schamottefabrik. Die letzte Ziegelei wurde im Jahr 2009 geschlossen. Daneben florierte weiterhin der Kur- und Badebetrieb, der vor allem zahlreiche Berliner anzog. Um 1900 vermieteten rund 30 Hotels und 200 Pensionen ihre Zimmer an Urlauber und Kurgäste.

Das älteste Kurbad Brandenburgs befindet sich in Bad Freienwalde. In der Fachklinik und Moorbad Bad Freienwalde im Tal des einstigen Gesundbrunnens werden vor allem Krankheiten der Wirbelsäule, des Rückens, des Weichteilgewebes und der Knochen sowie rheumatische Erkrankungen, Arthrose und Verletzungen an den Gelenken behandelt.

Das Schloss Freienwalde

Das Freienwalder Schloss wurde 1798 für die Witwe von Friedrich Wilhelm II., Friederike Luise, als Sommersitz im Stil des Klassizismus auf dem Apothekerberg erbaut. Erste Pläne für ein Sommerschlösschen hatte der Freienwalder Maurermeister Anton Hilke entwickelt. Diese wurden durch den Architekten David Gilly überarbeitet und umgesetzt. Gilly stammte als Nachfahre einer hugenottischen Familie aus Schwedt und lebte nach seiner Ernennung zum Oberbaurat ab 1782 in Berlin. Ab 1788 übernahm er als Geheimer Oberbaurat die Leitung des staatlichen Bauwesens für die Provinzen Ost- und Westpreußen sowie Pommern. Bereits im Jahr 1797 hatte er das Schloss Paretz fertiggestellt.

Bad Freienwalde-Schloss
Bad Freienwalde-Schloss
Bad Freienwalde-Schloss



Die Anlage des Schlossparks geht auf Peter Joseph Lenné zurück, der diesen 1822 neu gestaltete. Lenné zeichnete als General-Gartendirektor der königlich-preußischen Gärten für viele Garten- und Landschaftsanlagen in Brandenburg verantwortlich und man begegnet seinem Werk in Brandenburg auf Schritt und Tritt, beispielsweise im Park Sanssouci und im Park des Herrenhauses in Blankensee (bei Trebbin).

Im Jahr 1909 erwarb ein Industrieller und Schriftsteller das Schloss: Walther Rathenau, der sich später als liberaler Politiker einen Namen machte und 1922 bei einem Attentat ums Leben kam. Seine Erben vermachten es 1926 dem damaligen Landkreis Oberbarnim, allerdings unter der Bedingung, hier eine Rathenau-Gedenkstätte einzurichten.

Plünderungen nach 1945 und die Nutzung zur DDR-Zeit durch die Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft als Puschkin-Haus setzten die Nutzung als Gedenkort für Rathenau bis 1991 aus. Inzwischen wieder im Besitz des Landkreises, wurde eine neue Rathenau-Gedenkstätte eröffnet. Derzeit sind die Zukunft des Schlosses und der Gedenkstätte allerdings ungeklärt. Wie auf der Internetseite der Stadt Bad Freienwalde zu lesen ist, kann das Schloss mit seinen Ausstellungen jedoch mittwochs bis sonntags und an Feiertagen in der Zeit von 11 bis 17 Uhr besichtigt werden.

Wandern in Bad Freienwalde und Umgebung

Die abwechslungsreiche Gegend rund um Bad Freienwalde gibt reichlich Gelegenheit für anspruchsvolle Wanderungen. Die Gegend ist nicht flach und zeitweise geht es sogar ziemlich steil bergauf, beispielsweise zum Märkischen Watzmann. Der ist mit einer Höhe von 106,20 Metern zwar nur ein Bruchteil so hoch ist wie sein Namenspate in den Berchtesgadener Alpen, trägt aber seit 2017 sogar ein Gipfelkreuz. Sein Name ist keine Erfindung einfallsreicher Werbeleute, sondern soll auf Arbeiter aus Bayern zurückgehen, die zu Beginn des 12. Jahrhunderts auf der damaligen Burg Malchow arbeiteten.

Der Märkische Watzmann liegt am Gipfelstürmer-Weg, der Teil des Märkischen Bergwanderparks ist. Auf der Website der Stadt Bad Freienwalde zum Bergwanderpark werden noch viele weitere Routen vorgeschlagen. Eine davon führt vom Rosengarten in Bad Freienwalde zum Baasee, von dem bereits Fontane in seinen "Wanderungen" erzählt. Wer hierher wandert, sollte unbedingt in die Waldschenke einkehren. Was dich an diesem Ort sonst noch erwartet, liest du in meinem Text über den Baasee.

Türme und Turmdiplom

Bad Freienwalde hat vier Türme, die man zum Beispiel über den Turmwanderweg erreicht, der Teil des Oderlandwegs und des Märkischen Bergwanderparks ist. Durch das Besteigen der Türme in den Monaten April bis Oktober kann ein Turm-Diplom erworben werden. Zusammen mit den Eintrittskarten erhält man ein Stempelkärtchen, auf dem jeder Turmbesuch abgestempelt wird. Wer die zwölf Kilometer des Turmwanderwegs samt Turmbesteigungen nicht an einem Tag bewältigen möchte, kann sich die fehlenden Stempel auch später noch holen. Ich habe leider mein Stempelkärtchen verbummelt und werde wohl noch einmal von vorn beginnen müssen.

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Das sind die vier Türme, die es zu bezwingen gilt:

  • Eulenturm (Höhe: 13 Meter)
  • Aussichtsturm auf dem Galgenberg (Höhe: 26 Meter)
  • Bismarckturm (Höhe: 28 Meter)
  • Schanzenturm (Höhe: 32 Meter)

Der Eulenturm ist ein Holzturm, der anlässlich des 90. Geburtstags von Kurt Kretschmann im Jahr 2004 im Garten des Hauses der Naturpflege am Dr.-Max-Kienitz-Weg errichtet wurde. Kretschmann war ein deutscher Naturschützer und auch wenn ihn viele nicht kennen, dürfte doch jedem das von ihm entwickelte Motiv der Eule auf dem Naturschutzschild bekannt sein.

Bad Freienwalde-Aussichtsturm auf dem Galgenberg

Aussichtsturm auf dem Galgenberg

Der Aussichtsturm auf dem Galgenberg wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts als Kriegerdenkmal zur Erinnerung an Gefallene im Deutsch-Dänischen Krieg 1864, im Deutschen Krieg 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 erbaut. Initiator war Johann Wilhelm Melcher, ein protestantischer Theologe und Prediger in Freienwalde. Der Galgenberg diente früher als Richtplatz und bis ins 18. Jahrhundert sollen hier noch Hinrichtungen stattgefunden haben.

Der Bismarckturm in Bad Freienwalde ist einer von acht Bismarcktürmen in Brandenburg. Die anderen stehen in Rathenow, Booßen. Frankfurt/Oder (Ortsteil Lichtenberg), Brandenburg an der Havel, Burg (Spreewald), Pritzwalk, Spremberg und Zehdenick. Nach der Reichsgründung 1871 kamen solche Türme zu Ehren Otto von Bismarcks in Mode, sodass es weltweit noch 173 davon gibt. Der Bad Freienwalder Bismarckturm steht auf den Fundamenten der einstigen Burg Malchow. Daher stammt auch der Name Schlossberg.

Der Schanzenturm ist Teil des nördlichsten Skisprungzentrums Deutschlands, der Sparkassen Ski-Arena am Papengrund an der Berliner Straße. Insgesamt stehen hier vier Schanzen, die zwischen 2000 und 2008 gebaut wurden. Damit lebte eine alte Tradition auf, denn bereits von 1930 bis 1970 gab es eine Skisprungschanze an gleicher Stelle.

Radtouren rund um Bad Freienwalde

In Bad Freienwalde treffen sich mehrere Fernradwege, wie die Tour Brandenburg, der Oder-Neiße-Radweg und die Radtour Historische Stadtkerne.

Wer zum Beispiel nicht den ganzen Oder-Neiße-Radweg fahren möchte, der immerhin 630 Kilomater lang ist, kann in Bad Freienwalde starten und von hier aus nach Schwedt fahren. Die Strecke führt über 43 Kilometer unter anderem durch Schiffmühle, Hohenwutzen, Hohensaaten, Stolpe und Criewen.

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Etwas kürzer ist mit 26 Kilometern die Schleusentour, die entlang des Finowkanals von Eberswalde über Niederfinow nach Schiffmühle führt. Von hier aus ist es nicht mehr weit bis Bad Freienwalde.

So kommst du von Berlin nach Bad Freienwalde

Vom Berliner Alexanderplatz ist Bad Freienwalde weniger als 60 Kilometer entfernt. Bei guten Verkehrsverhältnissen erreicht man die Stadt von hier mit dem Auto in etwas mehr als einer Stunde über die Bundesstraße B158. Tagsüber sollte man allerdings etwas mehr Zeit einplanen. Vor allem in Ahrensfelde kurz hinter der Berliner Stadtgrenze ist häufig Stau.

Es gibt leider keine direkte Bahnverbindung nach Bad Freienwalde. Man muss zunächst mit dem Regionalexpress RE3 nach Eberswalde fahren und hier in die Regionalbahn RB60 umsteigen. Wenn alles klappt, ist man in rund 1,5 Stunden dort. Der RE3 hält zum Beispiel an den Bahnhöfen Südkreuz, Potsdamer Platz, Hauptbahnhof und Gesundbrunnen.

Sagen aus Bad Freienwalde

Über Jahrhunderte bestimmte das Adelsgeschlecht derer von Uchtenhagen die Geschicke von Freienwalde und der Gegend. Kein Wunder, dass sich Wahrheit und Legenden im Lauf der Zeit vermischten. Die beiden Sagen Die von Uchtenhagen zu Freienwalde 1 und Die von Uchtenhagen zu Freienwalde 2 zeugen davon.

Die Sage Die Brandfichte berichtet von einem Fall aus der Zeit der Hexenverfolgung in Brandenburg. Eine junge Frau wurde als Hexe angeklagt und bei Freienwalde auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Lesetipps

  • Bad Freienwalde an der Oder in alten Ansichten I (Direktsuche bei Amazon*)
  • Bad Freienwalde an der Oder in alten Ansichten II (Direktsuche bei Amazon*)
  • Beschreibung der Stadt Freyenwalde, des dasigen Gesundbrunnens und Alaun-Werkes, Thomas Philipp von der Hagen, Berlin 1784
  • bikeline Radtourenbuch, Oder-Neiße-Radweg: Von der Neiße-Quelle zur Ostsee, Esterbauer Verlag 2015 (Direktsuche bei Amazon*)
  • bikeline Radwanderkarte Berlin Nordost RW-B02: Angermünde – Bad Freienwalde – Berlin-Pankow – Bernau – Eberswalde – Schorfheide – Strausberg, 1:60.000, Esterbauer Verlag 2021 (Direktsuche bei Amazon*)
  • Freienwalde an der Oder und seine Umgegend. Ein Führer für Badegäste und Reisende. Verlag von Simon Schropp & Comp., Berlin 1848
  • Freienwalder Sagen und Geschichten, Band 2, Konrad Gründler (Hrsg.), Rat des Kreises Bad Freienwalde, Bad Freienwalde 1978
  • Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Theodor Fontane, Anaconda Verlag 2019 (Direktsuche bei Amazon*)

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