Fischsterben in der Oder

Als ich am Freitag, dem 12. August 2022, bei Lebus an der Oder stand, kamen mir die Tränen. Die Oder hatte tote Fische und Muscheln jeder Art und Größe angespült. Am gegenüberliegenden Ufer stand ein Storchenpaar auf der Suche nach Futter.

Seit dem 10. August 2022 berichteten regionale und überregionale Medien davon, dass entlang der Oder massenhaft tote Fische gefunden wurden und noch immer werden. Eine Ursache konnte zunächst nicht genannt werden. Es wurden zunächst ein Chemieunfall in Polen oder eine Straftat durch das unerlaubte Leiten von Chemikalien in der Fluss vermutet. Auch das polnische Umweltministerium ging den Medien nach von einer Wasserverschmutzung durch einen Industriebetrieb aus.

Tote Fische in der Oder bei Lebus
Tote Fische in der Oder bei Lebus
Tote Fische in der Oder bei Lebus



Die Oder entspringt im mähringischen Odergebirge bei Kozlov am Fiedelhübel (Fidlův kopec), fließt durch das polnische Schlesien vorbei an Breslau (Wrocław), bildet ab Guben im Landkreis Spree-Neiße eine natürliche Grenze zwischen Deutschland und Polen und mündet schließlich ins Stettiner Haff. Aufgrund des reichen Fischbestands ist der Fluss beliebt bei Anglern. Vor allem auf polnischer Seite sah man bisher am Oderufer viele Petrijünger mit Angeln und Eimer sitzen. Die Oder sowie ihre zahlreichen Nebenarme sind unter anderem für Hechte, Welse, Zander, Brassen, Rotaugen, Barsche, Barben und Döbeln eine nasse Heimat.

Aber auch andere Tiere fühlen sich in den Naturschutzgebieten rund um die Oder wohl. Seit 1992 wurde hier der Internationalpark Unteres Odertal entwickelt, zu dem auf brandenburgischer Seite der Nationalpark Unteres Odertal und auf polnischer der Landschaftsschutzpark Unteres Odertal (Park Krajobrazowy Dolina Dolnej Odry) gehören. Hier leben zum Beispiel Störche, Graureiher, Kormorane, Lachmöwen, Uferschnepfen, Eisvögel, Wachtelkönige, Trauerseeschwalben, Pirole, Seeadler sowie Biber und Fischotter.

Tote Fische in der Oder bei Lebus
Tote Fische in der Oder bei Lebus
Tote Fische in der Oder bei Lebus

Erkenntnisstand zu den Ursachen am 13. August 2022

Bei Untersuchungen in Brandenburg wurde eine starke Belastung durch Quecksilber festgestellt. Axel Vogel, der brandenburgische Umweltminister, wollte am 12. August allerdings nicht ausschließen, dass der Tod der Fische auf ein ungünstiges Zusammenspiel von Niedrigwasser, Giftstoffen und den seit vielen Tagen herrschenden hohen Temperaturen zurückzuführen ist. Am 13. August wurde dann von erhöhten Salzfrachten im Wasser der Oder berichtet. Dabei handelt es sich um die Menge von gelösten Salzen, welche in einem Fließgewässer innerhalb eines bestimmten Abschnitts nachgewiesen werden.

Aussagen dazu, ob sich die Kontaniminierung der Oder auf das Grundwasser oder sogar das Trinkwasser auswirken konnte, wurden noch nicht getroffen. Inzwischen sind tote Fische bereits bis zum Stettiner Haff nachgewiesen worden, von dem Meeresarme durch das Achterwasser von Usedom und den Peenestrom, über die Dziwna durch den Camminer Bodden (Zalew Kamieński) und über die Swine (Świna) bei Swinemünde (Świnoujście) in die Ostsee führen. Ob bereits weitere Tiere wie Vögel und Biber durch den Kontakt mit dem Oderwasser oder dem Verzehr der toten Fische verendet sind, ist bisher nicht geklärt. Gerüchten nach wurden jedoch schon tote Störche und Biber bei Lebus gesichtet.

Stand am 14. August 2022

Nach Untersuchungen durch das staatliche Veterinärinstitut schließt das polnische Umweltministerium Schwermetalle als Ursache für das Fischesterben aus, berichtet die Tagesschau. Vermutet wird indessen eine Vergiftung durch Chemieabfälle. Die polnische Polizei ermittelt und hat eine Belohnung für Hilfe bei der Ermittlung der Verantwortlichen ausgeschrieben. Hier gehts zur Meldung

Im Stettiner Haff sollen nach Aussagen des Umweltministeriums in Mecklenburg-Vorpommern bisher noch keine toten Fische entdeckt worden sein. (Die Zeit: "Ministerium: Bisher keine Fischkadaver im Stettiner Haff", 14.08.22)

Stand am 15 . August 2022

Inzwischen wurden nach Angaben von rbb24 100 Tonnen toter Fische geborgen und in der PCK-Raffinerie Schwedt verbrannt. Über die Ursache ist noch immer nichts bekannt. Quecksilber oder Mesitylen werden allerdings inzwischen ausgeschlossen. Bei Mesitylen handelt es sich um ein Benzol, das zum Beispiel in Steinkohlenteer oder Petroleum enthalten ist oder als Lösungsmittel verwendet wird.

Tote Fische in der Oder bei Lebus
Tote Fische in der Oder bei Lebus
Tote Fische in der Oder bei Lebus




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