Heiligengrabe

An der Regionalbahnlinie RE6 gibt es zwischen Wittstock (Dosse) und Pritzwalk eine Bedarfshaltestelle in Heiligengrabe. Das heißt, der Zug hält hier nur, wenn jemand am Bahnhof steht oder der Haltewunsch in der Bahn durch Drücken der Stopp-Taste signalisiert wurde. Wie oft dies täglich geschieht, weiß ich nicht, aber ich weiß nach einem Besuch des Klosters Stift zum Heiligengrabe, dass sich das Aussteigen lohnt.

Bevor das Kloster im Jahr 2001 zu einem wichtigen Kulturstandort und einem Zentrum geistlichen Lebens in der Prignitz wurde, konnte es schon auf eine bewegte Geschichte zurückblicken. Bereits um 1289 sollen zwölf Nonnen nach der Gründung eines Zisterzienserinnenklosters aus dem Kloster Neuendorf aus der Altmark in den Ort gekommen sein. Dem Bau des Klosters lag eine Legende zugrunde, wie Klaus-Martin Bresgott und Arnt Cobbers in dem Buch "Die Zisterzienserklöster im Land Brandenburg" berichten.

Die Legende vom Heiligen Grab

Im Jahr 1287 drang ein Dieb aus der Mark Meißen in die Kirche des Örtchens Techow (heute ein Wohnplatz von Heiligengrabe) ein und raubte unter anderem die Monstranz samt der geweihten Hostie. Schon bald plagte ihn jedoch das schlechte Gewissen und er zerstückelte die Hostie, um sie nahe des Ortes am Galgenberg zu vergraben. Während er noch dabei war, eine Grube auszuheben, begannen die Teile der Hostie zu bluten, wobei sich der Dieb beschmutzte. Das Blut ließ sich nicht abwaschen und bereits am nächsten Tag konnte der Hostienräuber durch die Bauern von Techow überführt werden. Der gemeine Diebstahl brachte ihm den Tod am Galgen ein, die Hostienteile kamen hingegen zunächst in die Pritzwalker Pfarrei. Sie bluteten jedoch nicht mehr und auch weitere Wunder blieben zunächst aus. Einige Zeit später wurde der Bischof von Havelberg schwer krank. Als nichts mehr helfen wollte, erbat er sich ein Wunder durch die Techower Hostie und versprach, sie wieder am Galgenberg zu vergraben, wenn er genesen würde. So geschah es. In der Folge pilgerten zahlreiche Menschen von nah und fern an den Ort, darunter auch der Markgraf Otto V., genannt "der Lange". Während er mit seinem Gefolge am Fuße des Heiligen Grabes tafelte, verwandelten sich die Speisen in Blut und nachts im Traum befahl ihm eine Stimme, hier ein Nonnenkloster erbauen zu lassen.

Vom Kloster zum Damenstift

Im Zuge der Reformation sollte das Zisterzienserinnenkloster zunächst aufgelöst werden. Die Nonnen unter der Äbtissin Anna von Quitzow konnten dies jedoch verhindern und das Kloster wurde evangelisch weitergeführt. Schwer zu schaffen machten der 30jährige Krieg und eine Pestepidemie der Region und dem Kloster. Die Nonnen waren nach Wittstock geflüchtet. Nur acht Frauen kehrten später zurück. Unter Friedrich dem II. wurde das Kloster schließlich zu einem evangelischen Damenstift für adlige Fräuleins. Rund 100 Jahre später kam es zur Gründung einer Stiftsschule für adlige Mädchen, die bis 1945 bestand. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Kloster Waisenkinder, ältere Ordensschwestern und behinderte Menschen betreut.

Das Klostergelände heute

Auch heute noch ist auf dem Klostergelände ein Konvent aktiv, der im Jahr 1996 gegründet wurde. Die Stiftsfrauen verstehen sich als eine moderne Gemeinschaft von Frauen, die der christliche Glauben miteinander verbindet. Nicht alle Stiftsfrauen leben heute im Kloster. Eine Aufnahme in den Konvent ist auch für Außenstehende möglich.

Das Außengelände des Klosters ist jederzeit zugänglich. Die Abtei und das Museum sind außer im Januar meistens zwischen 11 bis 16 Uhr geöffnet. Sehenswert sind der Damenplatz mit dem Wulffenhaus, dem Grolmushaus, dem Nordhaus und dem Lindeinerhaus, in dem sich ein Klosterladen befindet. Mit etwas Glück erhält man hier einen Kaffee und ein leckeres Stück Kuchen. Ich kam leider zu spät und der Kuchen war schon ausverkauft.

Im Wulffenhaus, auf dem Gutshof und in der Abtei gibt es Gästezimmer für alle, die sich nach etwas Ruhe sehnen oder für eine längere Wanderung beziehungsweise Radtour eine Übernachtungsmöglichkeiten suchen. Speziell für Frauen, die Zeit zum Nachdenken oder einfach nur für sich brauchen, gibt es im Rosenhaus das Angebot Mut zur Lücke.

Neben dem geistlichen Leben hat die Kultur im Kloster Stift zum Heiligengrabe einen hohen Stellenwert. Unter anderem finden in der Stiftskirche regelmäßig musikalische Andachten und Konzerte statt. Die Termine werden auf der Klosterwebsite veröffentlicht.

Wandern und Radtouren rings um Heiligengrabe

Seit 2011 gibt es mit dem Annenpfad einen 22 Kilometer langen Pilgerweg, der über Wald- und Feldwege von der Fachwerkkirche in Bölzke, vorbei an der Kirche Alt Krüssow zum Kloster Stift zum Heiligengrabe führt. Etwas kürzer ist mit 17,3 Kilometern der Nonnenpfad. Dieser führt vom Kloster Stift durch den Stiftswald über einen Naturlernpfad zum Aussichtsturm in Blumenthal. Von dessen Plattform blickt man bei klarer Sicht bis zu 40 Kilometer weit über die Prignitz. Wer so lange nicht laufen möchte, erreicht den Naturlernpfad und die Kneippanlage an der Roten Brücke nach 1,6 Kilometern ab dem Klosterhof.

Die Prignitz gilt als Paradies für Radfahrer, gibt es doch ein seit Jahrzehnten gewachsenes Radwegenetz, das durch Knotenpunktwegweiser ausgeschildert ist. Außerdem wurden inzwischen zahlreiche Radtouren zusammengestellt, zum Beispiel:

  • Wallfahrtstour, eine Rundtour über 39 Kilometer von Pritzwalk über Sadenbeck, Neu Krüssow, Alt Krüssow, Heiligengrabe und Bölzke zurück nach Pritzwalk
  • Klostertour, eine Rundtour über 48 Kilometer ab Wittstock über Papenbuch, Rosenwinkel, Dahlhausen, Heiligengrabe, Jabel zurück nach Wittstock

So kommt man nach Heiligengrabe

Wie eingangs erwähnt, erreicht man Heiligengrabe mit der Regionalbahn RE6, die ab Berlin-Gesundbrunnen beziehungsweise alle zwei Stunden ab Hennigsdorf verkehrt. Die Fahrzeit beträgt circa zwei Stunden. Mit dem Auto fährt man entweder über die Autobahn BAB24 in Richtung Hamburg bis zur Abfahrt Wittstock/Dosse und weiter nach Heiligengrabe (anderthalb bis zwei Stunden) oder über die Bundesstraße B5 bis Kyritz und dann weiter über die Landstraßen L103 und L145 (zwei bis drei Stunden, aber schönere Strecke).

Lesetipps

  • Die Zisterzienserklöster im Land Brandenburg (Reiseziele einer Region), Klaus-Martin Bresgott und Arnt Cobbers, Kai Homilius-Verlag 1999 (Direktsuche bei Amazon*)

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